Matchball. Es steht 1:1 in den Sätzen und Petra Kvitova führt 5:1 und 40:30 im dritten Satz gegen Sabine Lisicki. In der ganzen Halle herrscht Ausnahmezustand. Es ist der entscheidende Punkt, denn Deutschland liegt 0:2 in den Matches hinten. Wird Tschechien in das Halbfinale des Fed Cups einziehen oder sind alle Chancen für Deutschland weiter offen?
Schon seit 48 Jahren besteht der „Federation Cup“, kurz „Fed Cup“. Ein internationales Tennisturnier, in dem Damen-Nationalmannschaften gegeneinander antreten. Allerdings können nur die besten acht Teams der Welt ihn gewinnen, die in der „World Group 1“ sind und Deutschland war dieses Mal mit von der Partie. So konnte Deutschland ihn allerdings nur zwei mal gewinnen, im Gegensatz zu den Tschechen, die die begehrte Trophäe schon sechs Mal in Empfang genommen haben und sie auch im letzten Jahr abgesahnt haben. Damit stand Deutschland natürlich einem schweren Auftaktgegner gegenüber.
Ich fand allerdings, dass ein Sieg durchaus drin war und so fuhr ich voller Vorfreude nach Stuttgart, denn dort würde der Fed Cup ausgetragen werden. Im „Schwabenland“ angekommen ruhte ich mich ersteinmal für den nächsten Tag aus, denn es sollte ein langer werden. Zwei Einzelmatches standen an und ich freute mich auf die deutsche Tenniselite, die mit Sabine Lisicke, Julia Görges, Angelique Kerber und Annalena Grönefeld antrat. Die eigentliche Nummer eins der Deutschen, Andrea Petkovic konnte mit Rückenproblemen nicht antreten. Doch die Vorfreude auf Samstag stieg noch mehr, denn ich wusste auch, dass ich mit der Nummer 1 der Tschechen, Petra Kvitova gutes Tennis garantiert hatte, denn sie ist momentan die Nummer 2 der Weltrangliste. Aber auch von Sabine Lisicki versprachen ich mir viel.
Als ich am Samstag an der „Porsche Arena“ ankam, denn dort sollte das Turnier ausgetragen werden. Ich ließ meine Karte checken und lief, total übereifrig in die Halle. Sie war nicht groß und nicht klein, eigentlich genau richtig, wie ich fand, um die richtige Athmosphäre zu verbreiten und das sollte sich auch als richtig erweisen. Mein Sitzplatz war super, in der vierten Reihe und ich würde einen tollen Blick auf die Spielerinnen haben.
Um 12 Uhr aber ging es dann aber endlich los, es waren alle Zuschauer eingetroffen, eingschlossen, den Tschechischen Fans, die mit Vuvuzelas bewaffnet und mit den Nationalfarben bekleidet, mir direkt gegenüber saßen. Die Balljungen, Linienrichter und Schiedsrichter wurden aufgerufen und natürlich die Nationalmannschaften. Danach musste man sich zum singen der Nationalhymnen erheben, die mir wie immer Gänsehaut machte. Dann aber ließ ich mich in meinen gemütlichen Stuhl fallen und lehnte mich zurück. Voller Hoffnung auf das erste Match: Sabine Lisicki gegen Iveta Bensova. Ich war ganz optimistisch, da ja Lisicki die Nummer 14 der Welt, schon oft, locker gegen eine 46 der Welt, wie Iveta Benesova, gewonnen hatte, doch das sollte sich als falsch erweisen. Schon beim ersten Punkt machte Sabine Lisicki einen Doppelfehler und auch sonst war sie nicht mehr „Bum-Bum-Lilli“, wie sie von vielen, wegen ihres Aufschlages genannt wird. Trotz vieler Doppelfehler gewann sie den ersten Satz 6:2 gegen eine schwache Benesova. Nicht so schwach wie das Spiel, war allerdings die Athmosphäre: Die Tschechen machten, trotz dem Verlust des ersten Satzes weiter und feuerten so richtig an und auch immer mehr Deutsche wurden zu richtigen „Fans“ und ein gewonnener Punkt wurde lautstark gefeiert. Über die Athmosphäre konnte man nicht meckern, im Gegensatz zum zweiten Satz, den Sabine Lisicki dann abgab. Sie wurde unsicherer und mir kam es so vor, als würde sie sich nicht wohlfühlen auf dem Platz und auch diese Vermutung sollte sich bewahrheiten, denn auch den dritten Satz gab sie ab. Das „Schlüsselmatch“, wie Kaptänin Barbara Rittner das erste Match nannte, ging also schon einmal auf das Konto der Tschechen. Und auch das zweite Match, Julia Görges gegen die Topspielerin Petra Kvitova sollte nicht zu den Gunsten der Deutschen verlaufen. Görges hatte nichts zu verlieren und gewann den ersten Satz gegen eine angespannte Kvitova mit 6:3, doch gab den zweiten Satz mit 3:6 ab. Jubelrufe der Fans motivierten dann beide allerdings noch einmal und es wurde enger und enger, doch Kvitova gewann die „Big Points“ und so entschied sie den dritten Satz mit 10:8 für sich. Der erste Tag ging also weniger gut für die Deutschen aus. Am Sonntag sollte entschieden werden, wer ins Halbfinale einziehen wird. Das erste Match hieß Sabine Lisicki gegen Petra Kvitova. Das Spiel verlief gut Lisicki kämpfte und entscheid den ersten Satz für sich, musste den zweiten allerdings wieder abgeben. Beim Matchball allerdings war es so: Würde Lisicki den Punkt gewinnen, wäre noch alles offen für die Deutschen, doch wenn Kvitova ihn für sich entschieden würde, wäre die ganze Zusammentreffung verloren. Die Zuschauer zitterten, denn ein 0:3 wollte keiner. Kvitova pfefferte den Aufschlag allerdings auf Lisickis Rückhand, die dann zu Kvitovas Vorhand geschlagen wurde. Eine longline Vorhand und Lisickis Schlag ins Netz. Es war aus. Der Traum geplatzt. Die Tschechen fielen sich in die Arme, Lisicki vergoss die ein oder andere Träne. Und auch ich hätte mir so ein schnelles Ende auch nicht erhofft. Auch, dass Angelique Kerber noch gegen Lucie Hradecka gewann konnte den Sieg der Tschechen nicht verhindern. Im Doppel spielten die Tschechinnen ebenfalls gut auf und so hieß es am Ende 4:1 für Tschechien.
Trotz alledem war es für mich ein tolles Erlebnis, welches ich so schnell nicht vergessen werde.